Persönlichkeitscoaching als Mittel der Personalentwicklung - Modewelle oder mehr?

Gemeinsame Veranstaltung von IPU und BVMW Regionalverband Dresden am 29.02.2012

Zum LEARNING BY BREAKFAST waren dieses Mal ca. 25 Teilnehmer gekommen. Der Raum war gut gefüllt. Coaching, so Dr. Ulla Nagel kann eine Lösung sein, um den Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt zu begegnen. Die Anzahl der Mitarbeiter in Unternehmen, die über psychische Probleme klagen, steigt an - im Durchschnitt betrifft es schon jeden zehnten Beschäftigten. Wir leben in einer Arbeitswelt, in der der Anpassungsbedarf hoch ist und wir uns jeden Tag neu beweisen müssen. Gleichzeitig nimmt die Sicherheit eines festen Arbeitsplatzes ab. Die eigene fachliche und soziale Kompetenz kann uns die nötige Sicherheit bieten, die wir selbst auf den Arbeitsmarkt mitbringen, die uns niemand nehmen kann.

 

Psychologisches Coaching wird mit einem Individuum oder einer Gruppe, zum Beispiel Führungskräften, Mitarbeitern oder Projektgruppen durchgeführt, die den Wunsch nach Veränderung äußern. Die Maßnahme bezieht sich auf das konkrete Verhalten der Betroffenen und unterstützt die Suche nach maßgeschneiderten Lösungen, den Erhalt der Gesundheit und die Entwicklung individueller Ressourcen. Während des Coachings stehen vor allem die folgenden Fragen im Mittelpunkt: Was mache ich? Wie mache ich es? Was bin ich? Wo will ich hin?

Die meistgenannten Anlässe für das Aufsuchen eines Coaches sind die Verbesserung von Führungsverhalten und Verhaltenskompetenzen, Vorbereitung auf Führungsaufgaben und der Wunsch nach Leistungsverbesserung.

 

Bei IPU Dr. Nagel & Partner beginnt ein Persönlichkeitscoaching mit der Statuserhebung. Mit dem psy.Res-Gesundheitstest wird eine Gesamtbilanz über Arbeitsbelastungen und Gesundheit erstellt. Zusätzlich markiert der Coachee auf einer Timeline den persönlichen Werdegang und wichtige Lebensereignisse.

Im zweiten Schritt werden anhand des Persönlichkeitsschlüssels key4you die Grundzüge des Charakters herauskristallisiert: Wie spielen die vier inneren Triebkräfte Nähe, Distanz, Wechsel und Dauer zusammen?

Zum Coaching gehört aber auch der Abbau von Kommunikationsbarrieren. Diese lassen sich mit dem Vier-Ohren-Modell von Schultz von Thun leicht beheben: Kommunikation enthält nicht nur die tatsächliche Sachinformation, sondern auch den Appell an den Empfänger, eine Aussage über die Beziehung zwischen Sender und Empfänger und Inormationen über den Sender selbst (Selbstoffenbarung). Wer also jede Nachricht "mit vier Ohren" hört, kann mehrere Aspekte der Botschaft erfassen.

 

Mit dem Züricher Ressourcenmodell werden im Coaching schlummernde Ressourcen geweckt. Der Coachee macht sich seine unbewussten Bedürfnisse sichtbar.

Die Übung durften die Teilnehmer an diesem Tag auch aktiv ausprobieren. Si wählten aus 50 ausgelegten Fotos das aus, welches sie intuitiv sofort anspricht. In Kleingruppen wird zu einem der Bilder frei assoziiert. Alle Gedanken und Gefühle, die den Teilnehmern beim Betrachten des Fotos in den Sinn kommen, werden schriftlich festgehalten. Im Anschluss wählt der Besitzer des Bildes anhand seiner somatischen Marker (warmes Bauchgefühl, Lächeln bzw. Strahlen im Gesicht etc.) die positiven Begriffe aus, die er sich unter der Fragestellung "Was ist mir in den nächsten 3-5 Jahren wichtig?" für sich mitnehmen möchte. Die somatischen Marker sind das Signalsystem des Unbewussten. Die bildlichen Objekte helfen das Unbewusste zu konkretisieren, weil sie in der Form von Handlungsmotiven von außen betrachtet werden können. Aus ihnen kann dann im Coaching konkretes Verhalten abgeleitet werden.

 

Die genannten Facetten reißen das Coaching-Programm bei IPU Dr. Nagel & Partner nur an, denn auch Führung, Selbstmanagement, Entspannungstechniken sowie "Frauen & Macht" gehören zum Repertoire bei Frau Dr. Nagel.

 

Die Verbreitung des Coachings steckt noch in den Kinderschuhen: 36% der befragten Führungskräfte äußern, dass Coaching in ihrem Unternehmen noch nicht etabliert sei. Auf der Gegenseite sagen 39%, dass sie Führungskräfte aus dem eigenen Unternehmen kennen, die schon bei einem Coach gewesen wären. Diese Zahl zeigt, dass die Unternehmen die Chancen des Coachings erkennen, denn es gewährleistet eine ganzheitliche persönliche Entwicklung, die die Voraussetzung für fachliche und soziale Kompetenz darstellt.

(Praktikantin Christina Müller)

 

Impressionen:

Video zur Veranstaltung

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